Wir werden erwartet / Ulla Hahn

Wir werden erwartet von Ulla Hahn

Der Tod – Der Kampf – Das Fest. So die drei Abteilungen in Ulla Hahns neuem Buch „Wir werden erwartet“. Die ersten beiden Teile sind etwa gleichlang, das dritte sehr kurz und wie angehängt, ein Epilog nur. Ein schweres Buch, das wohl auch der Autorin nicht leicht gefallen ist. Es ist der Abschluss ihrer persönlichen Geschichte von der Kindheit in den 50iger Jahren in einfachen, streng katholischen Verhältnissen aus denen sie sich aus eigener Kraft und wissbegierigem Willen herausentwickelt über die Studentenjahre in Köln der späten 60ger bis zu ihrer Hinwendung zum Marxismus-Leninismus in den Siebzigern in Hamburg.

„Die Zeit drängt. Drängt mich hinein in das Ende dieser Geschichte, ein Ende, vor dessen Anfang ich zurückschrecke wie der Arzt vor dem Schnitt. Ohne Betäubung.“ (S.9)

Ulla Hahn scheint sich mit den drei Vorgängerbänden frei geschrieben zu haben, bevor sie sich an das wirkliche Thema ihres Lebens wagen konnte: wie konnte es dazu kommen, sich vom Sowjetkommunismus materialisieren zu lassen?

Was Ulla Hahn hier wirklich gelungen ist, ist die plausible Darstellung, wie sich ein junger Mensch ab 1968 für den Kommunismus begeistern und radikalisieren konnte. Wir stehen fassungslos vor dieser biographischen Schilderung, in der die jugendliche Wut und der aufrichtige Glaube an eine bessere Gesellschaft für eine menschenverachtende Politik missbraucht wurde.

„Dass die DDR der bessere Staat war, friedliebender, gerechter, sozialer, bezweifelte ich kaum. Trotz Mauer und Schießbefehl? Ja. … In meinen Augen war sie vor allem ein Schutzwall gegen die Flucht der Ewiggestrigen, damit den aufrechten Genossen ihr neues Land nicht kaputtging.“ (S.516)

Dass sie am Ende, im kurzen Kapitel „Das Fest“, auch wieder herausfand aus der Verblendung, ist tröstlich.

Selten habe ich so große Schwierigkeiten mit einem Buch gehabt. Und das, obwohl ich ein Fan von Ulla Hahn bin und alle drei Vorgängerbände, die nun mit „Wir werden erwartet“ eine abgeschlossene Tetralogie* bilden, sehr geschätzt habe. Eigentlich ist mir die Geschichte Hilla Palms nämlich auf den Leib geschrieben.

Ich bin am gegenüberliegenden Ufer von Hilla Palms Dondorf (Ulla Hahns Monheim) aufgewachsen. Piwipp war auch unsere Fähre hinüber. Ich habe angefangen in Köln Germanistik zu studieren, um dann nach Hamburg zu gehen. Selbst mein Elternhaus war ähnlich kleinbürgerlich, streng katholisch, wie in Ulla Hahns Büchern trefflich gezeichnet. Nur dass ich den Weg der Protagonistin etwa 15 Jahre später angetreten bin. Das hat natürlich schon vieles erleichtert. Aber – ich kenne sie alle und ich spreche ihre Sprache – alle Figuren in Ulla Hahns autobiographischen Büchern sind mir vertraut, sogar wenn sie Rhein, Elbe und Alster sprechen lässt.

Immer da, wo sie von ihrer persönlichen Geschichte ihrer engsten Familie erzählt – von der Entwicklung ihrer Mutter, von der Zuneigung zu ihrem Vater, vom tragischen Tod ihres Verlobten Hugo, kann das Buch begeistern. Bei der langatmigen, haarkleinen Schilderung ihrer politischen Entwicklung im Kapitel „Der Kampf“ hätte sie sich für meinen Geschmack ruhig kürzer fassen können.

Was mir auch nicht wirklich gefällt, ist die Art, wie oft sie bemüht poetische Sätze hervorbringt. Schön – aber zu viel.

„Wie sie mir zusprachen, die Bücher, die Bäume, die Wellen, wie sie mich zur Räson brachten, die klugen Begleiter, uralte Vorfahren und Zeitgenossen in einem, allen voran der unerbittliche Wellenschlag der Elbe.“ (S.343)

Außerdem hat die Autorin ein Faible für Wiederholungen. Immer wieder lässt sie den Großvater „Lommer jonn“ sagen und in die Luft greifen, um zu prüfen, ob schon Zeit zum Säen oder Ernten wäre. Das nervt dann irgendwann.

Ich fürchte, ich tue dem Werk ein wenig Unrecht mit meiner Kritik, aber so habe ich es empfunden. Wahrscheinlich wird es viele begeisterte Leser und Leserinnen finden, die den Stil Ulla Hahns gerne mögen.

*Reihenfolge der „Hilla-Palm-Bücher“: „Das verborgene Wort“; „Aufbruch“; „Spiel der Zeit“; „Wir werden erwartet“

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Über die Autorin:

Ulla Hahn, aufgewachsen im Rheinland, arbeitete nach ihrer Germanistik-Promotion als Lehrbeauftragte an verschiedenen Universitäten, anschließend als Literaturredakteurin bei Radio Bremen. Schon ihr erster Lyrikband, „Herz über Kopf“ (1981), war ein großer Leser- und Kritikererfolg. Ihr lyrisches Werk wurde u. a. mit dem Leonce-und-Lena-Preis und dem Friedrich-Hölderlin-Preis ausgezeichnet. Für ihren Roman „Das verborgene Wort“ (2001) erhielt sie den ersten Deutschen Bücherpreis. (Verlagstext)

Wir werden erwartet: Roman / Ulla Hahn. – Deutsche Verlags-Anstalt: München, 2017. – 633 S. – ISBN 9783421047823, fest geb. :  28 €

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Wir sagen uns Dunkles / Helmut Böttiger

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Ingeborg Bachmann und Paul Celan – eine tragische Liebe. Ein dunkles Buch. Helmut Böttiger kannte ich bisher nur als Kritiker beim Deutschlandfunk, nun durfte ich diese außergewöhnliche Doppelbiographie lesen. Bei der Lektüre habe ich mich gefragt, ob ich im Unterricht der 1970ger Jahre nicht aufgepasst habe. Habe ich doch einen Leistungskurs Literatur mit Erfolg bis zum Abitur absolviert, ohne wirklich zu begreifen, dass Celan bis 1970 noch lebte und also ein Zeitgenosse war.

Natürlich hatten wir die Todesfuge auf dem Lehrplan – aber nur im Zusammenhang mit anderen Gedichten rund um Nationalsozialismus und Holocaust. Wir waren in den 70ern übersättigt von diesen Themen, denn alle Lehrer wollten anscheinend an uns aufarbeiten, was in den 50ern und 60ern in der Bundesrepublik verdrängt worden war.

Gerne hätte ich damals Lyrik so vermittelt bekommen, wie es dieses Buch nun geschafft hat. Endlich habe ich „meinen“ Celan etwas besser verstanden. Außerdem habe ich Einblick in die Arbeitsweise und den Geist der „Gruppe 47“ gewonnen und etwas von der geistigen Enge in der jungen Bundesrepublik.

So wie das gelungene Titelbild es grafisch verdeutlicht, hat Helmut Böttiger eine ausgewogene Biographie von beiden Dichtern geschrieben. Die einzelnen Kapitel sind abwechselnd dem einen oder der anderen gewidmet. Die Gleichzeitigkeiten und Beziehungen verzahnen sich und werden in den Gedichten beider überdeutlich. Die heimlich Liebenden führen einen für alle lesbaren Dialog in ihren Gedichten – und das soll nicht wirklich aufgefallen sein? Erst mit der Veröffentlichung des Briefwechsels zwischen Celan und Bachmann 2008 im Suhrkamp-Verlag hatte man Gewissheit: „Man wusste schon länger, dass Ingeborg Bachmann und Paul Celan, zwei der bedeutendsten Lyriker des 20. Jahrhunderts, abseits aller literarischen Öffentlichkeit, abseits aller familiären Strukturen in einer Liebesbeziehung zueinander standen. Aber was es genauer damit auf sich hatte, war ein großes Geheimnis.“ (Deutschlandfunk 2008

Helmut Böttiger ist es nun zu verdanken, anhand der Quellen eine wunderbare Doppelbiographie geschrieben zu haben, die beide großen Dichterpersönlichkeiten mit ihren Stärken und Schwächen, ihre nicht gelingende Liebesbeziehungen und ihre Schwierigkeiten mit dem deutschsprachigen Literaturbetrieb, zu porträtieren. Dabei werden sie mir beide nicht unbedingt sympathisch. Vor allem Ingeborg Bachmann erscheint sehr opportunistisch in der Auswahl ihrer Lebensgefährten. Aber auch Celan ist vor allem seiner Arbeit treu. Beide leben und sterben für ihre Kunst, beide werden in ihrem Leben nicht wirklich glücklich. Beim lesen ihrer beider Leben und Liebe litt ich mit ihnen.

Absolut lesenswert!

Wir sagen uns Dunkles : die Liebesgeschichte zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan / Helmut Böttiger. – München: DVA, 2017. – 269 S., Abb. – ISBN 9783421046314 ; 22,00 €


Über den Autor:

Helmut Böttiger, geboren 1956, ist einer der renommiertesten Literaturkritiker des Landes. Nach Studium und Promotion war er als Literaturredakteur u.a. bei der Frankfurter Rundschau tätig. Seit 2002 lebt er als freier Autor und Kritiker in Berlin und veröffentlichte u.a. »Nach den Utopien. Eine Geschichte der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur« (2004) und »Celan am Meer« (2006). Er war Kurator der Ausstellung »Doppelleben. Literarische Szenen aus Nachkriegsdeutschland« (2009) und Verfasser des Begleitbuchs. 1996 erhielt er den Ernst-Robert-Curtius-Förderpreis für Essayistik, 2012 den Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik. Für sein zuletzt veröffentlichtes Buch »Die Gruppe 47« wurde er mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2013 ausgezeichnet. (Verlagstext)

Hier ein kürzlich erschienener Blogbeitrag von Sätze & Schätze, der weitaus ausführlicher in das Buch einführt.

Ein Leben für den Film – Ingrid Bergmann

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„Die Schwedin Ingrid Bergman (1915–1982) zählt zu den wenigen weiblichen Weltstars des Kinos. Zu ihren bekanntesten Filmen gehören Klassiker wie „Berüchtigt“ von Alfred Hitchcock, „Das Haus der Lady Alquist“, „Casablanca“, „Wem die Stunde schlägt“, „Die Kaktusblüte“ oder „Herbstsonate“. Im Lauf ihrer fast 50-jährigen Karriere erhielt sie drei Oscars. Doch das glanzvolle Schauspielerleben hatte auch eine brüchige Seite.“ (Klappentext)

Thilo Wydra (www.thilowydra.de) hat ein ergreifendes Buch zu einer großen Schauspielerin und eigensinnigen Frau geschrieben.

Die sorgfältige Aufmachung des voluminösen Bandes kann sich sehen lassen. Ein klares Druckbild, roter Leineneinband, rotes Lesebändchen. Alle Seiten weisen im Kopf die jeweilige Kapitelüberschrift in bordeauxfarbener Schrift aus. Wie im Film gibt es einen Vor- und einen Abspann. Ausführliche Anmerkungen, eine Filmographie und ein Personenregister runden das spannend zu lesende Werk ab.

Wie der Autor in einer persönlichen Nachbemerkung schreibt, war es gar nicht so einfach, überhaupt an Material über Ingrid Bergmann heranzukommen. Ihr Familie „verwehrte sich erst jeder Gesprächsanfrage“. Der gesammelte Nachlass liegt, nicht öffentlich zugänglich, in 187 Kisten in den „Wesleyan Cinema Archives„. Erst als der Autor den Kontakt zu ältesten Tochter Ingrid Bergmanns, Pia Lindström, fand, öffnete sich auch der Rest der Familie für Interviews und Gespräche – und natürlich auch die Kisten.

Das Buch beginnt um 1900 mit der bezaubernden Liebe von Ingrids Eltern, die viel Geduld haben mussten, bis sie sich endlich haben durften. Die deutsche Friedel Adler und der schwedische Justus Bergmann hatten es sehr schwer, ihre Eltern für diese Verbindung zu erwärmen. Sieben Jahre dauerte das Werben und der Austausch von Postkarten, Telegrammen und Briefen bis die beiden 1907 endlich heiraten durften. Im August 1915 wurde Töchterchen Ingrid geboren. Drei Jahre später schon stirbt die Mutter an einer unheilbaren Gelbsucht. Ingrid hat keine eigenen Erinnerungen an sie. Mit 14 Jahren stirbt auch ihr Vater im Alter von nur 58 Jahren an Magenkrebs. Bis zur Volljährigkeit lebt Ingrid in Stockholm bei verschieden Verwandten, die Sommerferien verbringt sie immer in Hamburg im Hause der Großeltern mütterlicherseits. In der Schule und im Umgang mit anderen Menschen hat sie es schwer. „Ich war ein sehr scheues Mädchen, wahrscheinlich der scheueste Mensch auf der Welt. Wenn man mich nach meinem Namen fragte, wurde ich rot.“  Schon als Schulkind hat sie Freude an Rollenspielen. Sie malt, erfindet Kurzgeschichten und kleine Theaterstücke. Als sie mit 11 Jahren an der Hand ihres Vaters zum ersten Mal ins Theater geht, ist es um sie geschehen. „Da gab es erwachsene Leute, die das gleiche auf einer Bühne taten wie ich zu Hause ganz allein für mich, nur so zum Spaß. Und sie wurden sogar noch dafür bezahlt!“ Ihr Entschluss stand fest. Sie machte die Schule zu Ende und wechselte dann in die renommierte Schauspielschule „Dramaten“ in Stockholm.

Seitdem spielt Ingrid Bergmann sich nach oben. Als wäre das Verkörpern anderer Charaktere ihre eigentliche Lebensform, scheint sie nur wirklich zu leben wenn sie spielt. Selbst schlechte Filme werden durch ihre Mitwirkung noch sehenswert. In den privaten Rollen, Geliebte, Ehefrau, Mutter, ist sie weniger geschickt und ungeduldig. „Ein Leben primär als Mutter tut ihr nicht gut, sie ist dafür nicht geeignet. Sie kann nicht damit umgehen, es überfordert sie, da es sie zugleich kreativ-künstlerisch unterfordert.“

So führt Wydras Biographie folgerichtig chronologisch durch die Filme, die auch inhaltlich besprochen werden, und bruch- und übergangslos durch Ingrid Bergmanns Privatleben. Ihre Ehen, ihre Beziehungen, ihre Lebensstationen Schweden, Deutschland, Amerika und Italien, Großbritannien … alles ist letztlich bestimmt durch die Filme, die sie drehen darf.

Filmliebhaber kommen hier ebenso auf ihre Kosten, wie Menschen, die gerne Lebensbeschreibungen lesen. Außerdem spiegelt das Buch fast das ganze 20. Jahrhundert. Ein Leben – wie im Film. Dramatisch, tragisch, zuweilen glücklich, nie langweilig.

Ingrid Bergmann : ein Leben / Thilo Wydra . – München: DVA, 2017. – 1. Aufl. – 751 S.; zahlr. Ill. – ISBN 9783421046734 fest geb. : 28 €

Im Folgenden ein Interview mit Isabella Rossellini über die Arbeit des Wesleyan-Film-Archivs und der Ingrid Bergmann Collection:

http://www.wesleyan.edu/cinema/video-bergman.html#part2

Amsterdam und die Sixe – mit Geert Mak die Niederlande verstehen

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Es gibt kein Leben, das nicht,
Und sei es auch nur für einen Moment,
Unsterblich gewesen ist.
WisŁawa Szymborska

Dieses Zitat stellt Geert Mak seinem Opus über die 12 Generationen einer Amsterdamer Familie voran.

„Six van Hillegom heißen sie offiziell, und die ältesten Söhne tragen – fast – alle den Namen Jan. Das ist eine Tradition, die 1618 mit dem Stammvater begann, mit Jan Six – Tuchfärber, Dichter, Kunstliebhaber, Bürgermeister der Stadt Amsterdam, ein Freund Rembrandts und des Dichters Joost van den Vondel. Der heutige Hausherr ist der zehnte Jan Six. Sein Sohn, Kunsthändler, ist der elfte, und den zwölften Jan Six gibt es auch schon, ein strahlendes Bürschchen in einem Buggy.“

Dieses 512 Seiten lange und schwere Werk ist ein Sachbuch mit vielen Jahreszahlen und Fakten. Aber Geert Mak schafft es, uns sofort mit hinein zu ziehen. Schon auf den ersten Seiten lässt er uns teilhaben an seiner Begeisterung, dass hier eine Familie über so viele Jahre nicht wirklich umgezogen ist und in einem Haus mit mehr als vierzig Zimmern ihre Geschichte, die der Stadt Amsterdam und die der Niederlande bewahrt hat. Und es ist kein Museum – hier wird gelebt. Und genauso kommt die Geschichte daher.

„Drinnen duftete es nach Kaffee, vermischt mit einem Hauch von Bohnerwachs. Ich betrat einen breiten Flur, unten im Haus. An der gefliesten Wand hörte ein Bauer nicht auf, friedlich zu pflügen, Papageien kreischten und plapperten, die Uhr stand für alle Zeit auf halb elf, die schwarzen Hände einer Lampe hielten das Licht empor. An den Wänden, ein Stück weiter, querformatige Stiche…“

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Foto: E. Mager

Geert Mak kann erzählen – nicht nur auf Lesungen, wie ich ihn zuletzt im Ehrengast-Pavillion der Frankfurter Buchmesse erlebt habe, sondern auch auf dem Papier. Das haben zum Glück auch seine Übersetzer Gregor Seferens und Andreas Ecke verstanden, ins Deutsche zu transportieren.
Anhand der vielen Fundstücke, die Mak im Haus der Familie Six in die Hand nehmen darf, erzählt er von Aufschwung und Niedergang, von Eheglück und Ehefrust, von Trauer und Not über geborene und früh verstorbene Kinder. Aber auch davon, dass es immer wieder bergauf ging. Die Familie Six hatte immer auch Einfluss im politischen Geschehen der Stadt – mal mehr, mal weniger. Es sind übrigens nicht nur die Männer, über die Mak zu berichten weiß. Wir erfahren auch eine Menge über die Frauen der Sixe. Besonders gefallen hat mir die Beschreibung Lucretias im 19. Jahrhundert.

Warum könnte uns die Biographie einer Amsterdamer Familie überhaupt interessieren? – Weil sie auch die Geschichte Europas und der Welt enthält. Weil wir viel über die allgemeinen Lebensumstände erfahren – auch die der einfachen Leute. Weil wir viel über die Hintergründe für die heutige Stellung der Niederlande in der Welt erfahren. Ich hatte so manches Aha-Erlebnis!

Ich empfehle dieses Buch all denen, die sich gerne mit Geschichte, Lebensgeschichten und Generationenfragen beschäftigen. Allen Liebhabern der Niederlande und der Stadt Amsterdam sei es als Pflichtlektüre sehr ans Herz gelegt.

Überdies ist es ein ausgesprochen schönes Buch geworden. Sehr sorgfältig gesetzt, gebunden und mit einem Lesebändchen versehen. Vielen Dank dafür an den Siedler-Verlag.

Schade nur, dass so wenige Illustrationen enthalten sind. Die wenigen, die es als Vignetten zu den Kapiteln ins Buch geschafft haben, sind sehr klein und in schwarz-weiß gehalten. Hier könnte ich mir sogar einen Zusatzband in der Art eines Ausstellungskatalogs vorstellen, der die vielen Gegenstände und Bilder enthält, die Geert Mak so fasziniert im Haus der Sixe in die Hand nehmen durfte.

Über Leben und Werk des Journalisten und Historikers Geert Mak finden sich viele Informationen auf seiner dreisprachigen Internetseite http://www.geertmak.nl

Hier ein Interview mit Geert Mak zum neuen Buch vor der Frankfurter Buchmesse: SR 2 – „Die vielen Leben des Jan Six“

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Die vielen leben des Jan Six : Geschichte einer Amsterdamer Dynastie / Geert Mak. Aus dem Niederländischen von Gregor Seferens, Andreas Ecke. – Siedler, 2016. – Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 512 S. und Abb. – ISBN: 978-3-8275-0087-8 – 26,99