Buchtipp

Oh, ein Tier! – Oh, was für ein Buch!

Felix Bork: Oh, ein Tier! Bestimmungsbuch.

Felix Bork: Oh, ein Tier! Bestimmungsbuch.

„Sie denken, Bambi wäre ein Reh? Dann, und nicht nur dann, sollten Sie dieses Buch in die Hände nehmen: Umwerfend schön illustriert und mit einem eigenen Witz, der garantiert zum Lachen bringt, ein schwerer Schatz für alle Freunde von Natur und Design, Illustration und anstößigem Humor.
Übrigens: Bambi ist ein Weißwedelhirschkitz. Wir haben ja gesagt, Sie sollten dieses Buch lesen.“ (Verlagstext)

Tja – das ist ein schwieriger Fall. Dieses Buch ist ein Hammer. Zuerst einmal fällt es durch sein Gewicht und seine Größe auf. Geradezu ein Klotz. Ein harter Pappeinband etwas größer als Din A4 mit mehr als 360 Seiten. Drinnen ist es ein Kunstprojekt, hier möchte ich einmal das Wort „Machwerk“ benutzen. Der Autor, offensichtlich künstlerisch vielfältig begabt, hat seiner Phantasie freien Lauf gelassen. Zum einen hat er akribisch und wunderschön, großformatige Tuschezeichnung von „fast allen heimischen Tieren“ angefertigt. Daneben hat er gekritzelt, beschriftet und gezeichnet wie ein Schüler, der Langeweile hat. Die Einleitungen zu den Kapiteln hat er selbst mit großen Druckbuchstaben verfasst. Andere Texte, scheinbar aus Nachschlagewerken entnommen, hat er „bearbeitet“, indem er Wörter durchgestrichen  und durch eigene Ausdrücke ersetzt hat. (siehe z.B. hier)

Er lässt keinen Bereich der heimischen Fauna aus, selbst den Gattungen, die schwer einzuordnen sind, gibt er ein Kapitel. Der Ideenreichtum ist bemerkenswert und überrascht von Seite zu Seite. Von wissenschaftlich fundiert bis albern reicht die Bandbreite der Einfälle.

Ich könnte es fast lieben. Aber nur fast. Leider tobt sich der Autor in Fäkalsprache nur so aus. Es wird gefickt, gekackt und gepisst und auch bei den Körperteilen muss es der Arsch sein, wo es doch als Alternative zu Abdomen auch noch andere deutsche Wörter gegeben hätte. Ich will hier nicht prüde erscheinen, aber da ich Bücher vor allem danach beurteile, wem ich sie in der Bücherei empfehlen kann, bin ich hier ratlos. Der Verlag kennzeichnet das Buch für Jugendliche ab 14 Jahren. Die wollen meistens kein Buch mehr über Rehkitze und Schmetterlinge. Für Jüngere wären die naturgetreuen Zeichnungen ideal, aber…

Deshalb nehme ich das Ganze als einmaliges Kunstprojekt. Ein wunderbares „coffee table book“ für den privaten Bereich.

„Das Buch war Felix Borks Masterarbeit im Studiengang Editorial Design an der halleschen Kunsthochschule Burg Giebichenstein, für die er mit dem Giebichenstein Designpreis 2016 ausgezeichnet worden ist. Er gewann in der Kategorie „Beste Idee / Bestes Konzept“. Das Projekt sei entstanden, nachdem er seine Leidenschaft wiederentdeckt habe, draußen im Wald herumzutollen oder etwa Vögel zu beobachten. Der Hobby-Ornithologe, der heute in Berlin lebt, kennt die Klassiker unter den Bestimmungsbüchern – und wollte sich bewusst von diesen Werken unterscheiden und in seinem Buch ihm wichtige Aspekte ergänzen. Etwa, wie sich Tiere fortpflanzen. – Quelle: http://www.mz-web.de/26207698 ©2017

Oh, ein Tier! Bestimmungsbuch / Felix Bork. – 362 S.: überw. farb. Ill. u. graph. Darst. – Eichborn-Verlag: 2017. – ISBN 9783847906339 fest geb. 28,00 €

Felix Bork: Oh, ein Tier. Abb. aus dem Buch

Felix Bork: Oh, ein Tier. Abb. aus dem Buch

sie auch: http://felixbork.de/oh-ein-tier

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8 Kommentare zu “Oh, ein Tier! – Oh, was für ein Buch!

  1. Ja, so ein Buch wäre schon was gewesen, einige Bilder und die Idee das alles mit Humor zu würzen finde ich recht schön. Aber die Sprache und einige der Abbildungen finde ich wieder nicht so passend.
    Und gerade Bambi in den Klappentext zu nehmen finde ich auch unoriginell, denn das Bambi kein Reh ist hat sich wohl schon rumgesprochen.
    Vielleicht bekommt ja jemand anderes durch dieses Buch eine Idee zu einem richtig tollen Bestimmungsbuch…
    Viele Grüße
    Silvia

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  2. Ja, leider – noch schlimmer, als ich das beschrieben habe. Wenn Deine Kinder noch klein sind, könntest Du mit Ihnen nur die farbigen Bilder anschauen, die einfarbigen Kritzelbilder haben manchmal das Niveau von Toilettentürkunst.

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  3. Hallo Erika,
    ernsthaft, so eine Fäkalsprache?! Schade, bis eben noch wollte ich mir das Buch unbedingt auf die Wunschliste setzen, weil ich selbst Nachholbedarf in Sachen genauere Tierarten habe und meine kleinen Kinder total auf Tiere abfahren. Aber dann sowas, die Sprache hat es mir jetzt leider doch verdorben.

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  4. Das Buch hätte ich auch nicht einordnen können, darum ist es umso interessanter, mal einen Einblick zu bekommen. Vom Cover her hätte ich es nämlich eher für ein Kinderbuch gehalten, aber nach dem was du sagst ist es dafür wohl völlig ungeeignet. Dafür eine Art Zielgruppe festzulegen würde mir wohl auch sehr schwer fallen. Auf jeden Fall sieht es aber sehr ungewöhnlich und abwechslungsreich aus.

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