Buchtipp/Ratgeber

Depression abzugeben – #ausderklapse

Hauck, Depression abzugeben

Uwe Hauck: Depression abzugeben. Erfahrungen #ausderklapse

Anfang 2015 scheitert der Selbstmordversuch von Uwe Hauck – zum Glück. Er hat eine feste Arbeitsstelle in der IT-Branche, eine nette Frau und drei Kinder. Und trotzdem – eine massive Angststörung, die zu einer Depression führt, bringt ihn an den Rand des Abgrunds. Eigentlich will er nicht sterben, sondern nur seinen Mitmenschen nicht mehr zur Last fallen. Dass er diese mit einem Selbstmord noch mehr belastet, erkennt er erst während der Therapie. Nach vielen Monaten Klinik, Tagesklinik und Reha schreibt er seine Geschichte auf: „Depression abzugeben. Erfahrungen aus der Klapse“.

Wer das Buch liest, fühlt sich nach der letzten Seite…?
Hoffentlich gut informiert und gut unterhalten. Auch wenn meine Geschichte mit einer dramatischen Wende meines Lebens beginnt, hatte die Rückkehr ins Leben durchaus amüsante Momente.“ (Aus dem Autorensteckbrief: Uwe Hauck „Depression abzugeben“ | 01.01.2017)

Das Buch hat bei mir einen anderen Eindruck hinterlassen. Ich habe es gerade beendet. Die amüsanten Momente empfand ich angesichts des schweren Themas eher „galgenhumorig“ als amüsant. Für die „gute Information“ hätte ich mir einen Anhang gewünscht mit Adressen, ersten Anlaufstationen, Tipps für Angehörige etc. Und ich habe ziemlich lange gebraucht für die Lektüre, da es mich doch nicht so unterhalten hat. Diesen Anspruch habe ich aber auch nicht bei einem Buch über die Krankheit Depression. Ich habe es bis zum Ende durchgelesen, da es ein sehr persönliches Buch ist und mich das Thema auch privat sehr interessiert. Ich wollte das hoffentlich positive Ende dieses Buches nicht verpassen, liegen die Ereignisse doch noch nicht allzu lange zurück. Parallel kann man dem Autor auf Twitter folgen (@bicyclist), wo er den Hashtag #ausderklapse eingeführt hatte, noch bevor er anfing das Buch zu schreiben.

„Zuerst waren die Tweets da, die quasi den Rahmen bilden für das, was im Buch erzählt wird.“ (Aus dem Autorensteckbrief: Uwe Hauck „Depression abzugeben“ | 01.01.2017)

Ich war sehr beeindruckt von der Offenheit des Autors, sich so ins Herz schauen zu lassen. Er teilt dem Leser schonungslos seine innersten Ängste mit, aber auch seine klare Meinung gegenüber Therapeuten, Mitpatienten und fragwürdigen Therapien.

Immer wieder war ich beeindruckt, wie toll seine Frau  und seine Kinder auf das unfassbare reagiert haben. Da kann ich den Autor nur beglückwünschen, dass er so viel Mitgefühl und Verständnis erfahren hat.

Und das ist auch der größte Erkenntnisgewinn für eine „Normalo“ wie mich: wir müssen viel mehr verbreiten, dass Depression eine Krankheit ist und kein Charakterfehler, dass die kranke Seele genauso selbstverständlich in einer Klinik behandelt werden muss, wie ein Sportunfall. Das sind keine Idioten, die in psychiatrischen Kliniken therapiert werden, sondern „eher normale Menschen, die mit dem Wahnsinn da draußen nicht mehr fertig werden.“(Uwe Hauck – Klappentext)

Was ich auch gelernt habe – eine Depression geht nicht weg, wie ein Schnupfen. Sie kann in Schach gehalten werden, so dass man wieder am Leben teilnehmen kann.

Mittlerweile ist das Buch von Uwe Hauck schon in der 2. Auflage erhältlich und sehr zu empfehlen. Vor allem für Angehörige von Menschen, die an Angststörungen und Depressionen leiden. Ein kluger Beitrag zu mehr Verständnis für diese komplexe und bedrohliche Krankheit.

Depression abzugeben : Erfahrungen #ausderklapse / Uwe Hauck. – Originalausg. – Bastei Lübbe : Köln, 2016. – 427 S. – ISBN 9783404609222 – 10 €

Im folgenden ein Beitrag, den Uwe Hauck  bei Twitter retweetet hat:

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2 Kommentare zu “Depression abzugeben – #ausderklapse

  1. Das klingt sehr interessant, das werde ich mal im Hinterkopf behalten. Das Thema interessiert mich nämlich auch, gerade wegen dem, was du selbst ansprichst: Depressionen werden oft nicht als richtige Krankheit angesehen. Deshalb interessieren mich Erfahrungsberichte besonders, damit man auch mal „richtige“ Informationen dazu bekommt und nicht nur das, was Unbetroffene darüber denken. Da muss es auch wirklich nicht witzig oder unterhaltsam sein, das erwarte ich auch gar nicht. Danke für die Rezension!

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